[Green Day]

Green day nannte sich 1989 ein Teenager-Trio in der White Trash-Arbeitersiedlung Gilman Street Project in Oakland, Kalifornien, nach einem seiner Songs, in dem Herumhängen und Pot-Paffen als erstrebenswerteTugenden gepriesen wurden. Die Musik der Rotznasen, die auf der Bühne gelegentlich die Hosen herunterließen,in die Luft spuckten und das Sekret mit dem Mund wieder auffingen, war "schnell, laut, böse und irgendwie auch melancholisch - Stakkato-Rock, dessen Wucht aus einem trüben Kinderzimmer wieder eine eigene Welt macht", so der "Stern": "Wenn Take That die Musik zum ersten Kuß und ersten Petting machen, singen Green Day die Lieder zum ersten Arschtritt."

Die Lebensläufe der Kids, die sich von Jukebox-Singles der Clash, Sex Pistols, Ramones und Monkees anregen ließen und deren Plattenauflagen mit acht Millionen Dookie-LPs (1994) weit überflügelten, "müßten bei jedem Subkultur-Gewissensprüfer Billigung finden", so "Der Spiegel". Mike Dirnt (bg), als Michael Pritchard am 4. Mai 1972 von einer heroinabhängigen Mutter irgendwo in Kalifornien ins Leben geworfen, wurde von einer Indianerin adoptiert, herumgestoßen, mit sieben vom soeben geschiedenen Ehemann der Indianerin beherbergt, schließlich seiner leiblichen Mutter zurückgegeben und riß aus. Mit fünfzehn lebte er in einem Autowrack. Billie Joe Armstrong (voc, g), am 17. Februar 1972 in San Pablo, Kalifornien, als eines von sechs Kindern eines oft joblosen Arbeiters geboren, gründete 1983, ein Jahr nach dem Tod des Vaters, mit elf seine erste Band Sweet Children - mit Al Sobrante (dr). Mit dessen Nachfolger John Kiftmeyer (dr) und einem alten Kleinbus ratterten und rockten die Greenhorns 1989 durch Kalifornien und die angrenzenden Staaten. Zurück in Oakland, verließ sie Kiftmeyer entnervt. Den richtigen Green Day-Drummer Frank Edwin Wright III, am 9. Dezember 1972 als U.S. Army-Kid irgendwo in der Bundesrepublik Deutschland geboren, holten sich Dirnt und Billie Joe von der Konkurrenzband Lookouts in der Gilman Street. Deren sogenannter Producer Lawrence Livermore, der auch mit einem eigenen Indie-Label dilettierte, nahm Green Day nach einem Gig in Mendocino vor zwölf Zuhörern für Lookout Records unter Vertrag. Auf die Debüt-EP 1000 Hours (1991) mit vier Titeln folgte im gleichen Jahr die LP 1039/Smoothed Out Happy Hours mit 23 Tracks, im Mai 1992 Kerplunk. Schnell hatte sich in der Westcoast-Szene die Kunde vom Trio Infernale verbreitet, das in Post-Punk-Manier von den Teenager-(Angst-)Träumen der Jahrtausendwende sang: Onanie und Selbsthaß, lahme Eltern und stumpfe Mädchen, Karambolen und Irrenhäuser, Vorurteile und Arbeitslosigkeit. Textproben: "Ich kenn dich nicht, doch ich hasse dich"/"Ich werde nie erwachsen, ich brenne lieber aus"/"Meine Mutter sagt: Such dir 'nen Job, doch sie haßt ihren eigenen"/"Ich bin ein melodramatischer Schwachkopf, neurotisch bis ins Mark". Plattenfirmen begannen für die ungereimte Punk-Poesie zu bieten, Reprise erhielt den Zuschlag und hatte das große Los gezogen. Das Album Dookie (1994) hielt sich über zwei Jahre in den Charts und holte sich einen Grammy als Best Alternative Music Performance. Mit seiner Acht-Millionen-Auflage war es der absolute Punk-Bestseller der USA. In der "Rolling Stone"-Leserumfrage holte sich Green Day im Januar 1995 vier erste Plätze: Best New Band, Best New Male Singer (Billie Joe Armstrong), Best Album (Dookie), Best Album Cover. Die rasch gefertigte Anschluß-CD Insomniac (1995), nur 33 Minuten lang, etablierte sich sofort auf Platz acht in England, Platz zwei (hinter Mariah Careys Daydream) in den USA. Innerhalb weniger Monate erzielte der Schnellschuß Doppel-Platin. Fast über Nacht waren Green Day zu Stadionfüllern avanciert (80000 in Boston) und in der Szene in Mißkredit geraten; Flugblatt-Text: "Tell Green Day to fuck off for bringing MTV into our scene" ("Sag Green Day, sie sollen sich verpissen, weil sie uns an MTV verraten haben"). Gnadenlos wurden die drei Musiker von Industrie und Management rund um den Globus gehetzt. Totale Erschöpfung erzwang eine Pause, die sie Anfang 1998 mit dem Album Nimrod beendeten. "Tip" hörte "ihr bisher reifstes Album, das die typischen Ohrwurm-Melodien rauher und ungeschliffener verpackt als jemals zuvor". Auf der Bühne waren sie die alten Rüpel geblieben. In der Milwaukee Arena wurde Billie Joe Armstrong verhaftet und erst gegen Zahlung von 141,85 Dollar wieder entlassen. Er hatte wieder mal die Hosen heruntergelassen und dem Publikum seinen nackten Hintern gezeigt. Im kalifornischen Meadows Amphitheater bekam Dirnt bei einer Backstage-Schlägerei mit einem Musiker von Third Eye Blind eine Bierflasche auf die Rübe und wurde am Schädeldach verletzt. Und dann die Wende: Zum Album Warning (2000) - "die Gitarren nicht mehr so arg verzerrt, der Ton bedacht(er) und geruhsam(er)" ("Rolling Stone" Hamburg) - erklärte Armstrong: "Wir sind gereift. Das Unattraktivste, was ich je in meinem Leben gesehen habe, ist ein erwachsener Mann, der sich aufführte wie ein Teenager."

Da war er 28 und schrieb "Singalongs wie Waiting oder einen Punk-Schunkler wie Minority" (Kritiker Jörn Schlüter).

"Textlich wie musikalisch", staunte der "Musikexpress", "ein echter Schritt ins Erwachsenenlager. Aus Leichtgewichten ist eine ernstzunehmende Band geworden."

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